Falken träumen vom Höhenflug

Beim TV Falkenburg scheint die Zeit für den Kreisliga-Aufstieg gekommen zu sein

Bericht vom Weser-Kurier 11.01.2014

Von Christoph Bähr

Ganderkesee-Falkenburg. Zweiter in der 1. Fußball-Kreisklasse, Halbfinale im Kreispokal, Qualifikation für das Hallen-Masters: Der TV Falkenburg spielt bislang eine außerordentlich erfolgreiche Saison. In der Winterpause hat sich der Verein jetzt auch noch mit den bezirksligaerfahrenen Brüdern Stefan und Ralf Buß vom VfL Stenum verstärkt. Trotzdem gehe es ihm nicht darum, mit Macht in die Kreisliga aufzusteigen, sondern eher um Freundschaft und Zusammenhalt, betont Trainer Florian Erhorn.

Der Falke gilt als mutig und angriffslustig, seine Beute erlegt er zumeist durch einen gezielten Biss in den Nacken. Ganz so offensiv wie ihr Wappentier treten die Fußballer des TV Falkenburg zwar nicht auf, doch Trainer Florian Erhorn gibt immerhin zu, dass der Aufstieg nach einer starken Hinserie in der 1. Kreisklasse kein Tabuthema ist. „Die Kreisliga ist schon im Hinterkopf“, sagt der 32-Jährige. Stand jetzt hätten die Falkenburger es geschafft: Mit 33 Punkten aus 16 Spielen sind sie Tabellenzweiter.

Abgänge gibt es in der Winterpause nicht, dafür drei neue Spieler: Stefan und Ralf Buß kommen vom Kreisligisten VfL Stenum, Christian Nustedt war zuletzt für den TV Jahn Delmenhorst II aktiv. Angesichts dieser Zugänge – die Buß-Brüder verfügen immerhin über reichlich Bezirksligaerfahrung – liegt der Verdacht nahe, dass Falkenburg mit Macht aufrüstet, um es in die Kreisliga zu schaffen. Der Eindruck täuscht jedoch, versichert Erhorn. „Wir haben uns nicht gezielt verstärkt, der Freundeskreis wurde lediglich erweitert.“ Die Wortwahl passt zum Falkenburger Credo, denn die meisten Spieler kennen sich tatsächlich seit vielen Jahren. Der Zusammenhalt sei einzigartig, betont Erhorn und erzählt, dass für die Mannschaftsfahrt nach Norderney stets innerhalb weniger Tage 20 Anmeldungen vorlägen und dass der Parkplatz auf dem Klubgelände von den Spielern gepflastert worden sei.

Die Erfolgsgeschichte der Falkenburger begann 2010 am Stenumer Kirchweg: Damals kehrten sechs Kicker dem VfL Stenum II den Rücken und fanden auf dem rund zehn Kilometer entfernten Platz am Alten Postweg in Falkenburg eine neue Heimat. Der Stenumer Vorstand hatte Reserve-Trainer Matthias Trätmar zum Coach der Ersten befördert. Mit der Nachfolgeregelung waren Erhorn, Marten Meyerholz, Henning Free, Mirko Bolling, Florian Martin und Per-Ole Wendlandt nicht zufrieden, also verließen sie den Verein. Alle sechs spielen noch immer in Falkenburg, etwas später kamen in Nils Poppe und Christian Barfuß zwei weitere Ex-Stenumer hinzu. Winterzugang Christian Nustedt war bis 2010 ebenfalls am Kirchweg aktiv.

Auch die Buß-Brüder kennt man in Falkenburg bestens. Der 31-jährige Abwehrspieler Ralf Buß hatte in letzter Zeit mit hartnäckigen Knieproblemen zu kämpfen und will nun etwas kürzer treten. Sein Bruder Stefan will es ebenfalls ruhiger angehen lassen. Er spielt für die HSG Grüppenbühren/Bookholzberg in der Handball-Verbandsliga und trainiert das Frauenteam des Vereins, daher ist die Zeit knapp. „Handball geht bei mir vor“, unterstreicht der Torhüter. „Beim Fußball ist mir jetzt nur noch der Spaß wichtig.“

Ralf und Stefan Buß, der der aktuellen Nummer eins Heiko Vogel Konkurrenz macht, erweitern in Falkenburg zudem die große Riege der Erfahrenen. Zu dieser gehören auch Jörn Poppe (33) oder Erhorn selbst, der wegen eines Außenbandrisses im Knie wohl erst im April auf den Platz zurückkehrt. Im Oktober übernahm der 32-Jährige den Trainerposten von Thomas Niemann, der auf Wunsch der Mannschaft gehen musste. Wie lange Erhorn Coach bleibt, ist offen. Aktuell sei noch kein Nachfolger in Sicht, sagt er. Die Rolle des Spielertrainers will er aber nicht dauerhaft ausfüllen, wenn seine Verletzung verheilt ist. „Das liegt mir nicht“ erklärt Erhorn.

Wer auch immer der neue Mann an der Seitenlinie wird, er soll bei den Falken einen schleichenden Umbruch vollziehen. „Wir brauchen vier oder fünf junge Leute. Erst recht, wenn wir aufsteigen sollten“, findet Erhorn. Als Kreisligist wäre Falkenburg für potenzielle Zugänge auf einen Schlag deutlich attraktiver, das weiß auch der Trainer. Ebenso ist ihm klar, dass es die Saison schlechthin für den TVF werden könnte: Es läuft nämlich nicht nur in der Liga gut, er steht auch im Kreispokal-Halbfinale und ist für das Hallen-Masters am 18. Januar in Ahlhorn qualifiziert. Die Ü32-Mannschaft, zu der sechs Erste-Herren-Spieler gehören, kämpft zudem im Mai um die Landesmeisterschaft. Wird es also das Jahr der Falken? So richtig in den für Raubvögel typischen Angriffsmodus will Florian Erhorn auch angesichts der bisherigen Erfolgsbilanz nicht übergehen: „Wir müssen am Ball bleiben und dürfen kein Verletzungspech haben. Außerdem bricht keine Welt zusammen, wenn wir nicht aufsteigen.“

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© Ingo Moellers
Von Stenum nach Falkenburg: Die Brüder Stefan (linkes Bild) und Ralf Buß laufen künftig für den Zweiten der 1. Kreisklasse auf.

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